Arrival of the Goddesses

Kunst im öffentlichen Raum, Sigleß, 2025

Katrin Bernhardt beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der Frage, wie sich jahrtausendealte rituelle Praktiken in zeitgenössische Ausdrucksformen übersetzen lassen. Ihr Kunstprojekt Arrival of the Goddesses tritt nun in einen Dialog mit drei Landschaftskunstwerken von Heinz Bruckschwaiger in Sigleß: der Himmelsleiter, dem Zeitstuhl und dem Oktaeder.

Bernhardt verknüpft die Himmelsleiter mit einer vielbrüstigen Mondgöttin, der auf einer Opferschale Gaben wie Getreide, Milch, Honig, Blut und Haare dargebracht werden. Dem Zeitstuhl, einer bronzenen Sonnenuhr, stellt sie eine Göttin mit Sonnenscheibe zur Seite – eine Gestalt, die futuristisch-technische Anmutungen mit archaischer Symbolik verbindet. Die scharfkantige Geometrie des Oktaeders wiederum wird durch die runden Formen dreier Göttinnen kontrastiert, die den platonischen Körper im Halbkreis auf rotgoldenen Sockeln umringen.

Während Göttinnenfiguren früher aus Stein, Terrakotta, Holz, Fayence, Elfenbein oder Edelmetallen hergestellt wurden, setzt Katrin Bernhardt auf Kunststoff – den dominanten Werkstoff unserer Zeit – und fertigt ihre Skulpturen mit modernen technischen Mitteln im 3-D-Druck.

Bernhardts Göttinnen greifen die Erzählungen von Bruckschwaigers Werken auf, entwickeln sie weiter und führen sie über ihre ursprünglichen Grenzen hinaus. Zugleich treten überraschende inhaltliche Parallelen zutage: Bruckschwaiger lag ein respektvoller Umgang mit der Natur und das Wirken des Menschen im Einklang mit dem Kosmos besonders am Herzen. In vielen prähistorischen und antiken Kulturen waren es Göttinnen, nicht Götter, die als Hüterinnen von Natur, Wildtieren, Fruchtbarkeit, Ernte und Kindern verehrt wurden. Indem Bernhardt ausschließlich Göttinnen erschafft, rückt sie weibliche Kräfte in den Fokus und lädt dazu ein, alte Mythen und Rituale aus einer feministischen Perspektive neu zu entdecken.