Taphos I

Eine Versuchsanordnung

In prähistorischen und antiken Kulturen gaben Hinterbliebene Verstorbenen Gegenstände mit ins Grab, die für den Übergang und das Weiterleben ins Jenseits als unabdingbar erachtet wurden. Sie kennzeichneten damit die verblichenen Personen gleichzeitig in Hinblick auf deren Geschlecht, Status, Alter etc.
Finden sich in unseren Breiten im Frühmittelalter noch Beigaben in den Gräbern, so kommt diese Praxis spätestens ab dem Hochmittelalter durch die Christianisierung zum Erliegen.

Das Kunstprojekt „Taphos“ versucht sich an einer Neuinterpretation dieser jahrtausendelang praktizierten Rituale. Wie sähen Grabbeigaben heute aus? Welche Artikel stellen moderne Äquivalente zu beliebten antiken Beigaben dar? Interessante Fragen, in einer Zeit, die dem individuellen Ausdruck größeren Wert beimisst und in der die Spiritualität in weiten Teilen der Bevölkerung an Relevanz verloren hat.

Anhand einiger archetypischer Begräbnisse werden individuelle Lebensentwürfe sichtbar gemacht. Das Kunstprojekt regt an, heutige Grabbräuche zu hinterfragen, sich auf die Suche, nach der Persönlichkeit der fiktiven Toten zu begeben, und sich gleichzeitig mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Unübersehbar ist die massive Zunahme an Plastikartikeln als Grabbeigaben, die indirekt auf die Umweltverschmutzung der Moderne hinweisen.
Die Begräbnisse sind mit den stark stilisierten Umrisslinien der Grabgruben und Leichname bewusst artifiziell gestaltet und nehmen Anleihen bei Tatortkennzeichnungen von Kriminalserien. Diese absichtliche Künstlichkeit trägt dem Umstand Rechnung, dass es sich beim Kunstwerk um ein postmodernes Produkt handelt, das trotz seines Bezugs auf historische Verhältnisse immer willkürlich ist.